von Marina Lange

Wie du Neid positiv für dich nutzen kannst

Vor ein paar Tagen habe ich weitere Recherchen betrieben, was die Geschichte meines Hofes angeht. Die jenigen von euch, die mir auf Instagram oder Facebook in den Stories folgen, wissen, dass mein Hof eine ziemlich dunkle Geschichte trägt. Denn auf meinem Hof hat anfang des 19. Jahrhunderts ein Brudermord stattgefunden. Ich habe durch intensive Suche im Staatsarchiv die Gerichtsakte aufgefunden und durfte sie tatsächlich einsehen. Ein Tag, nachdem ich die Akte von dem Brudermord fotografiert habe, habe ich meine Instagram-Community gefragt, welche Worte mir begegnen werden, wenn ich denn die Schrift entziffert habe.

Ein Begriff, der dort gefallen ist, war Neid und ich habe mir Gedanken darüber gemacht was ist Neid eigentlich ist und was eventuell hinter dem Gefühl von Neid steckt.

Viele Menschen, denen ich begegne, verwechseln Neid mit Missgunst. Wenn also jemand schreibt, dass Neid ein Wort ist, das in der Akte auftaucht, gehe ich davon aus, dass eigentlich Missgunst gemeint ist.

Denn: wenn man jemanden beneidet, bedeutet das letztendlich einfach nur, dass man eine Sehnsucht hat, etwas Ähnliches auch leben oder erleben zu dürfen.

Missgunst wiederum ist das, was eine Situation so schwierig macht. Denn: Wenn man jemandem etwas nicht gönnt, ist das im Prinzip die Weiterentwicklung des Neides. Ich glaube, dass Missgunst aus ganz anderen emotionalen Beweggründen heraus entsteht.

Missgunst entsteht, wenn ich jemand anderem etwas nicht gönne. Missgunst heißt: ich bin mit meinem Fokus nicht bei mir bei und bei dem was ich habe oder bei dem, was ich kann, wofür ich dankbar sein kann sondern:

Bei Missgunst bin ich im Außen. Außen bedeutet, ich bin nur mit meiner Wahrnehmung, mit meinem Fokus und meinem Erleben in dem Leben anderer Menschen und nicht in meinem.

Das wiederum bedeutet, dass ich nicht wertschätze, was ich habe, sondern dass ich mich nur nach außen orientiere und vergleiche und dadurch mein Selbst definiere. Wenn jemand dann z.B. etwas hat was ich nicht habe und diese Person war früher mal gemein oder unfair zu mir, dann gönne ich der Person das nicht. Ich lege die Energie und den Fokus in dem Moment auf das Außen und das, was mir vermeintlich suggerieren soll, dass ich es besser verdient hätte als die andere Person.

Die Frage, die sich hier stellt ist: Was steckt dahinter?

Was steckt dahinter, dass man sich immer am Außen orientiert und nicht in sich selbst? Was steckt dahinter, dass man nicht ausschließlich sein eigenes Leben betrachtet?

Ausschließlich sein eigenes Leben betrachten… das klingt jetzt sehr egozentrisch aber ich glaube, das ist das gar nicht. Ich glaube, es ist genau das Gegenteil! Ich glaube, dass, wenn man sich selbst und sein Leben betrachtet, solche Empfindungen wie Missgunst oder ähnliches gar nicht aufkommen. Weil man gar nicht darauf kommt, dass man darüber nachdenken könnte, dass jemand anders etwas hat, was man selber nicht hat. In dem Moment hat man im Prinzip nur den Wunsch etwas zu haben. Und wenn man dann etwas bei einer anderen Person sieht, dann löst man den inneren Wunsch nach etwas aus (Neid), ohne der anderen Person Böses zu wollen (Missgunst).

Also: Neid ist etwas Positives, Missgunst ist etwas Negatives. Weil Missgunst immer mit negativen Gefühlen behaftet ist. Missgunst ist mit mit Wut behaftet und mit Hass behaftet und mit Ablehnung behaftet und im Grunde genommen entsteht die Missgunst aus einer Angst heraus: Aus der Angst nicht gut genug zu sein oder aus der Angst vor anderen Menschen schlechter dazustehen. Ein weiterer Grund ist die Angst, dass man selbst nicht die Kontrolle über sein Leben hat. Denn wenn man selbst die Kontrolle nicht hat oder wenn man diesen Glaubenssatz hat, dass man die Kontrolle nicht hat über sein Leben, dann bedeutet das im Glaubenssatz-Umkehrschluss, dass man auch nicht beeinflussen kann ob man selber auch solche Dinge erleben oder diese großartigen Dinge besitzen darf wie der, dem man es nicht gönnt.

Wenn ich nicht daran glaube, dass ich Dinge verwirklichen kann, wenn ich nicht daran glaube oder nicht davon überzeugt bin, dass ich wertvoll bin und dass ich die Kontrolle über mein Leben und über die Dinge die in meinem Leben passieren habe, dann gucke ich ins Außen und dann passieren diese Dinge dass ich missgünstig werde, weil ich nicht mehr bei mir bin. Weil ich nicht mehr bei meinen Stärken bin oder bei dem wofür ich dankbar sein kann.

Jetzt fragst du dich vermutlich, warum ich Neid als etwas Positives bewerte und Missgunst nicht. Ganz einfach: Neid ist etwas, das dich aktiv werden lässt. Du entwickelst den Wunsch nach etwas Bestimmtem und stehst auf und dein Gehirn beginnt darüber nachzudenken, was du tun kannst, damit du das, was du begehrst, auch erreichst.

Missgunst ist etwas, wo du passiv bist. Du guckst, was andere machen, haben können, tun. Aber dein Gehirn wird durch Missgunst nicht in die Situation gebracht, darüber nachzudenken was du tun kannst damit du das auch hast.

Wenn du diese Passivität erlebst, dann ist es ganz wichtig, dass du dich auf dich fokussierst und dass du den Fokus 100 % weg nimmst von dem was andere haben. Dass du den Fokus weg nimmst von dem, was du nicht kannst aber andere schon, weil diese Energie viel wertvoller ist, wenn du sie in die Umsetzung deiner Träume und Ziele steckst!

Schreib mir gern, wo du Missgunst erlebt hast und wie du es geschafft hast, dich da rauszuarbeiten. Schreib mir auch gern, wo bei dir Neid schon dazu geführt hat, dass du dich weiter entwickelt hast!

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